Liber Askabel


Prolog I

Ich bin Askabel, der die Tiefen der Finsternis durchschritt, der verloren war und doch gerettet wurde, gerettet wurde durch IHN, dessen Wort ich verkünde.

Zu den Zeiten der Blindheit floh ich vor Feinden in die Tiefen von Cullam Torol, um mich dort zu verbergen. Im Herzen der Tiefe rief ich die Finsternis selbst an, mich zu verschlingen, mich meinen Feinden zu entreißen, denn es gab keinen Weg mehr, den ich noch gehen konnte.

Und die Finsternis erhörte mein Flehen . Sie nahm mich auf in ihren Schoß und hüllte mich in das Kleid der Schatten, so daß ich den Blicken der Feinde entschwand. Sie lenkte die Schritte der Feinde auf falsche Pfade und ließ sie verirrt in die endlosen Schlünde der Verdammnis stürzen. Nichts blieb von ihnen.

So offenbarte sich mir die Finsternis und rettete mein Leben.

Prolog II

Wer bist Du, rief ich, daß Du mich rettest und meine Feinde vernichtest? Wer bist Du, daß ich Deine Gnade erfahre?

Ich bin Bargaahn, antwortete die Finsternis. Bargaahn, der Schöpfer und Vernichter , Bargaahn der Prüfer . Bargaahn, der Erneuerer. Ich bin Bargaahn, der dich gemacht hat nach seinem Wunsch. Ich bin Bargaahn, der dich nun prüfen wird. Ich bin auch Bargaahn, der dich wieder vernichten wird oder neu erschaffen. Ich bin Bargaahn, und Vollkommenheit ist mein Wille.

Du aber bist Askabel, der sich gegen den eigenen Bruder erhob, um ihn vom Thron zu stürzen . Du bist Askabel, der gescheitert ist, da die Zeit noch nicht reif war, Stärke zu zeigen. Du bist Askabel, und was Dir widerfuhr ist nicht Gnade sondern Bürde . Denn nun ist es an dir, dich deines geretteten Lebens würdig zu erweisen.

Prolog III

Dann prüfe mich, rief ich, ich will Deiner Gabe würdig sein ! Bin ich es nicht, so bin ich Dein Geschenk nicht wert. Dann zerschlag mich. Bin ich aber würdig, laß mich Dir ein Diener sein.

So hast du die erste Prüfung bereits bestanden, sprach die Finsternis. Du hast dich unterworfen und den Willen, dich würdig zu erweisen. So geh nun und bestreite deinen Weg.

Vor mir teilte sich die Finsternis und offenbarte zwei Gänge im Fels. Der rechte war ausgelegt mit samtenen Kissen, der linke uneben und voller Kanten. Diesen wählte ich, denn Würde ist ein steiniger Weg.

Ich stieg weiter hinab in den Fels bis ich zu einer Brücke kam. Sie hing an zwei schweren Ketten, die im Fels eingelassen waren. Die letzten Glieder der Ketten jedoch waren dünn und brüchig. So hob ich mein Schwert und schlug sie entzwei, um die Brücke in die starken Glieder zu hängen. Dann schritt ich hinüber.

Am anderen Ende traf ich auf drei Gefesselte . Sie waren am Halse aneinandergekettet und unter ihren Füßen brach Feuer aus dem Boden hervor um sie zu verbrennen . Der letzte der drei aber war lahm und konnte nicht fort, so daß sie alle Fraß des Feuers werden würden . Da hob ich erneut mein Schwert, denn ich hatte verstanden. Ich trennte mit einem Hieb das schwächste Glied aus der Kette und bewahrte so die stärkeren zwei vor dem Untergang .

Kaum hatte ich diese Prüfung bestanden, verwandelten sich die Gefesselten in zwei Gehörnte und nahmen mich in ihre Mitte. Sie führten mich in eine endlose Halle voll zerschlagenen Leibern. In ihrer Mitte ragte ein Turm empor aus Fürsten und Königen und auf ihren Schultern trugen sie einen nachtschwarzen Thron . Um den Turm tobten tausend Kämpfe und ständige Bewegung erfüllte ihn. Fürsten fielen und Krieger nahmen ihre Plätze ein, wurden selbst zu Fürsten und stürzten ihre Könige herab um einmal nur selbst den Thron zu tragen, so daß der Turm immer höher und höher hinauf wuchs, denn jeder, der in ihm einen Platz einnahm, überragte seinen Vorgänger bei weitem . Dann streifte mein Blick über die Gesichter der Gefallenen und fand dort nur Glückseeligkeit .

Was ist es, was du siehst ? rief die Stimme aus der Finsternis.
Was ist es ?
Es ist Chaos rief ich. Werden und Vergehen. Es ist ein endloses Streben. Doch wessen Thron ist es, den sie zu erhöhen suchen ?
Es ist mein Thron, antwortete die Stimme. Der Thron Bargaahns. Vor dir steht das Streben nach Vollkommenheit , und dieses Streben werde ich dir nun schenken. Ich werde es dir in dein Herz Pflanzen und dir meine Worte in den Mund legen, auf daß du verkündest, was du hier gesehen hast. Dies soll deine Prüfung sein und deine Bürde und Gnade zugleich. So hör und sieh, was ich dir anvertraue. Denn du bist Askabel, der von nun an verkünden soll.

I
Verbum Originis
Ich schuf diese Welt aus Finsternis und pflanzte in sie meine Kinder. Ich ließ sie gewähren nach ihren Wünschen und freute mich ihrer Taten, denn sie gediehen wohl und strebten nach meinem Bilde.
Bahamuth, der Prahler, aber sah, was ich geschaffen hatte, und setzte das Licht an den Himmel, auf daß es herabscheine auf meine Kinder und ihnen seine Größe verkünde. Da schrien meine Kinder, waren sie doch geblendet vom Licht und sie verbargen sich in den Schatten. Denn Bahamuths Prahlerei schmerzte sie in ihren Herzen, erniedrigte es sie doch, da es sie überragte und sie es nicht erlangen konnten.
So stieg ich herab, um Bahamuths Werk zu zerschlagen. Dieser aber sah, was ich tat und stellte sich mir entgegen. Vernichte nicht, was Dein Bruder geschaffen, sprach er. Denn es ist erhaben und groß. Es zeigt ihnen ihre Unvollkommenheit und ermahnt sie, diese zu überwinden.
Es ist Dein Licht, das meine Kinder unvollkommen macht, denn nun kennen sie das Leiden! erwiderte ich. In der Geborgenheit der Finsternis gab es dieses Leiden nicht. Darum werde ich Dein Werk vernichten. Dies sprach ich und brach das Licht entzwei. Da stürzte sich Bahamuth auf mich und riß mich hinfort.
So stritten wir miteinander für Žonen jenseits dieser Welt. Doch hatte ich das Licht geschwächt, so daß meine Kinder wieder hervortreten konnten und weiter meinem Bilde folgen. Denn seit wir miteinander rangen, wechseln sich Tag und Nacht und die Nacht ist die meine. Schliesslich sah Bahamuth, daß er mich nicht besiegen konnte, und so stürzte er uns beide in die Gefangenschaft der endlosen Spähren.

II
Verbum Mandatum
Doch ich werde wiederkehren, und dem Licht wird ein Ende sein. Ich werde die Tore der Endlosigkeit aufstoßen und in meine Herrlickeit zurückehren, denn schon ist Bahamuth gebrochen und liegt danieder. Er warf sich selbst hinfort, um sein Licht zu retten, doch auch sein Licht ist zerbrochen.
So rufe ich nun Dich, Askabel, der Du die Finsternis suchtest, errichte mein Reich und erwarte meine Wiederkehr. Denn ich werde kommen und das Licht verlöschen. Doch nur die, welche meine Kinder sind, werde ich annehmen. Wer mein Bild verleugnete und sich dem Licht zuwand in der Zeit Genesis, soll verdammt sein. So geh hinaus, Askabel, geh und verkünde und verkünde dies:
Verkünde das Bild des Turmes, den Du schautest. Denn dieser Turm ist die Gemeinschaft meiner Kinder. Sie sollen die Gemeinschaft ehren und ihr dienen, denn sie ist mir geweiht. All ihr Tun und streben soll allein zur Stärkung dieser Gemeinschaft sein. Sie sollen sich beweisen und miteinander wetteifern um die Ehre, meinen Thron auf ihre Schultern zu setzen. Und lassen sie dabei auch ihr Leben zurück, so tun sie dies zu meiner Ehre und zu meinem Gefallen, denn je höher sie steigen, um so höher tragen sie meinen Thron hinauf und sind würdig, meine Kinder zu heißen. Bis sie schliesslich meinen Thron höher als das Licht halten, und meine Finsternis das Licht verschlingt. Denn wenn ich dann meinen Thron besteige und das Licht verlösche, sind meine Kinder wieder ohne Qual.
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